
Herbstzeit

Es stürmt und grummelt, wird früher dunkel.
Wir sollten uns wärmer anziehen,
denn das Frühjahrsknistern und die Sommerhitze klingen ab.
Es wird spürbar kühler.
Die Stunden des Vermissens werden von Tag zu Tag kürzer,
immer länger dafür die Stunden, die wir nur uns selbst widmen.
Wir träumen weniger voneinander.
Unsere Liebkosungen ziehen sich in uns in ihre Winterquartiere zurück,
Bewunderung und Begeisterung fliegen gen Süden,
erst einzeln, später wird man sie in Scharen davonziehen sehen.
Wir blitzen uns mit Blicken an,
Worte donnern dumpf und grollend hin und her,
wir nehmen kein Blatt vor den Mund.
Von Zeit zu Zeit schlägt’s ein.
Bereits vergilbte Fotos unserer Zeiten
schweben segelnd und einzeln zu Boden,
wo man sie zu Haufen harkt und ansteckt.
Die Welt legt sich zur Ruhe, deckt sich zu,
eine Stille breitet sich zwischen uns aus,
wir sind des Redens und des Liebens müde.

Laub I

Aus Knospen sich schmiegend,
grün leuchtend sich wiegend,
farbfroh im Wind fliegend,
vermodernd braun liegend:
Ein Blatt.

Laub III

Oval oder grün
oder schmal oder eckig
oder weich oder scheckig
oder bleich oder rund
oder kalt oder bunt
oder alt oder glatt:
Ein Blatt.

Laub IV

Mir wirds zu kalt,
ich danke ab und löse mich,
fall tot herab, zersetze mich.
Wir sehen uns bald
im nächsten Lenz:
Ein Blatt.


